Pilz‑„Langlebigkeits‑Vitamin“ steigert NAD+ bei alten Ratten über einen H₂S‑Schalter
Ergothionin, die Pilz‑Verbindung, die wegen ihrer angeblichen „Langlebigkeits‑Vitamineigenschaften“ viel Aufsehen erregt hat, verfügt nun über einen überzeugenden Wirkmechanismus. In einer *Cell Metabolism*-Studie erhöht Ergothionin das Muskel‑NAD+ bei alten Ratten, fördert die Gefäßbildung und die Muskelmasse. Der Effekt beruht auf einem Wasserstoff‑Sulfid‑Signalweg, an dem CSE, Persulfidierung und das Enzym cGPDH beteiligt sind. Fehlen CSE oder cGPDH, verschwinden die Vorteile. Die Ergebnisse stammen jedoch aus Tier‑ und Laborstudien, und die wirksame Dosis für Ratten entspricht etwa dem Zehnfachen üblicher Nahrungsergänzungsmittel.
Wöchentliches Rapamycin ein Jahr lang: Sicher, aber wirkt es am viszeralen Fett?
Die PEARL‑Studie untersuchte, ob wöchentliches Rapamycin das viszerale Fett reduzieren und die Gesundheitsspanne verbessern kann. Nach 48 Wochen zeigte sich beim primären Endpunkt – dem viszeralen Fett – keine Veränderung, während die Sicherheit im Vergleich zu Placebo gleich war. Sekundäre Analysen deuten auf mögliche Vorteile wie mehr fettfreie Masse, Schmerzreduktion bei Frauen und besseres Wohlbefinden hin, basieren jedoch auf Untergruppen‑ und Selbstberichten. Das Präparat war eigenständig hergestellt, und bislang fehlt ein Nachweis, dass Rapamycin die menschliche Lebensspanne verlängert.
Calcium‑Alpha‑Ketoglutarat verlängert die Lebensdauer weiblicher Mäuse um bis zu 16,6 % – Was das für Menschen bedeutet (und nicht bedeutet)
Eine 2020‑Studie in *Cell Metabolism* zeigte, dass eine mit 2 % Calcium‑Alpha‑Ketoglutarat (CaAKG) angereicherte Nahrung die mediane Lebenszeit von weiblichen Mäusen um bis zu 16,6 % verlängerte und deren Gebrechlichkeit verringerte. In einer zweiten Versuchszusammenstellung war der Effekt etwas geringer (10,5 %), und bei den Männchen waren die Überlebensgewinne statistisch nicht signifikant. Die Autoren führen den Nutzen auf eine reduzierte systemische Entzündung und einen Anstieg von IL‑10 zurück. Die Studie wurde ausschließlich an Mäusen durchgeführt und liefert keinen Nachweis, dass CaAKG das menschliche Leben verlängert. Im Folgenden wird erklärt, was die Daten tatsächlich zeigen, wie sie sich von typischen Marketingversprechen unterscheiden und warum CaAKG eher auf einer Forschung‑Watchlist als in einem bewiesenen Protokoll zu finden ist.
Taurin – die preiswerte Aminosäure, die die Mäuselaufzeit um bis zu 12 % verlängerte, nimmt beim Menschen mit dem Alter ab
Eine 2023 in *Science* veröffentlichte Studie zeigte, dass der zirkulierende Taurinspiegel – eine preiswerte und weit verbreitete Aminosäure – mit zunehmendem Alter bei Mäusen, Affen und Menschen abnimmt. Bei mittelalten Mäusen verlängerte die Supplementierung die mittlere Lebensdauer um etwa 10‑12 % und verbesserte zahlreiche Gesundheitsparameter. Das Molekül wirkte dabei anti‑seneszent, reduzierte DNA‑Schäden, schützte die Mitochondrien und dämpfte das sogenannte Inflammaging. Beim Menschen liegen die Daten bislang nur in Beobachtungsstudien vor, und die für Mäuse berechneten Dosen entsprechen mehreren Gramm pro Tag, sodass die Evidenz noch weit von einem Beweis entfernt ist. Der folgende Text fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Dosierungen und erklärt, warum weitere klinische Studien nötig sind, bevor Taurin als Anti‑Aging‑Pille empfohlen werden kann.