Biocracked
Approach: macro science. Palette: warm (amber and copper).

Extreme close-up of a freshly sliced king oyster mushroom stem and gill edge, shot at a slight 30-degree overhead angle with a macro lens and shallow depth of field. The pale cream flesh shows individual fibrous hyphae and glistening moisture beads. Warm low-angle golden light rakes across from the left, turning the gill ridges into amber and copper lines with deep honey-brown shadows. A single tiny droplet on the cut surface catches a pinpoint of electric green reflection, as if lit from a hidden source. Background melts into out-of-focus burnished orange and chocolate tones. The mood is quiet, intimate and investigative, with real organic texture and no text.
Longevity

Pilz‑„Langlebigkeits‑Vitamin“ steigert NAD+ bei alten Ratten über einen H₂S‑Schalter

Helix Ward · · 4 min read

Wenn du bereits NMN oder NR einnimmst, um deine NAD+-Spiegel zu unterstützen, könnte jetzt ein Pilz‑Stoff ins Spiel kommen

Eine neue Cell Metabolism-Studie zeigt, dass Ergothionin das Muskel‑NAD+ erhöht und die Laufdauer auf dem Laufband bei alten Ratten verbessert. Das geschieht über einen bisher unbekannten Wasserstoff‑Sulfid‑Signalweg. Wichtig: Es handelt sich um Tier‑ und Laborstudien, kein Humanversuch.

Was ist Ergothionin und warum wird es als „Langlebigkeits‑Vitamin“ bezeichnet?

Ergothionin (ET) ist ein schwefelhaltiges Aminosäure‑Derivat – ein Thion – das der Mensch nicht selbst herstellen kann. Wir nehmen es ausschließlich über die Nahrung auf, wobei Pilze die mit Abstand reichste Quelle darstellen. Der Körper verfügt über einen speziellen Transporter für Ergothionin, was darauf hinweist, dass das Molekül mehr als ein zufälliger Stoff ist; evolutionär entwickelt man nur Transportmechanismen für Substanzen, die eine physiologische Rolle spielen.

Der Stoff wurde bereits lange als Antioxidans und zellulärer Schutzfaktor untersucht. Die aktuelle Arbeit von Milos Filipovics Gruppe und Mitarbeitenden wie Michael Murphy legt nahe, dass ET zudem als Signal­hebel fungiert – eine Information, die insbesondere für Bio‑Hacker interessant sein könnte.

Ergebnisse bei Würmern: längeres Leben und bessere Mobilität

Die Forschenden begannen mit Caenorhabditis elegans, dem klassischen Rundwurm in der Altersforschung. Ergothionin verlängerte die Lebensspanne, verbesserte die Beweglichkeit alter Würmer und steigerte deren Stressresistenz, während altersassoziierte Biomarker reduziert wurden.

Würmer‑Ergebnisse sind ein klassischer erster Schritt, übersetzen sich jedoch seltener in Säugetiere, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Sie dienten hier vor allem als Sprungbrett für die Arbeiten an Nagetieren.

Ergebnisse bei alten Ratten: Ausdauer, Muskel und NAD+

Alten Ratten, die über etwa vier Wochen Ergothionin im Trinkwasser erhalten hatten, zeigte das Team folgende Verbesserungen:

  • Bessere Ausdauer beim Training – die Tiere liefen länger und weiter auf dem Laufband
  • Leicht höhere Muskelmasse
  • Mehr Gefäßbildung im Muskel – also eine verbesserte Blutversorgungs‑Infrastruktur
  • Erhöhte NAD+-Konzentrationen im Muskel

NAD+ nimmt im Alter ab und ist zentral für die mitochondriale Funktion. Ein Anstieg im Muskelgewebe erklärt daher den beobachteten Ausdauer‑Benefit. Die Autoren verknüpfen dies mit der altersbedingten Muskelschwund (Sarkopenie).

Der verborgene Schalter – leicht erklärt

Der eigentliche Clou liegt in der Wirkungsweise. Die Autoren beschreiben den Ablauf folgendermaßen:

  1. CSE erhält ein alternatives Substrat – Die Cystathionin‑γ‑Lyase (CSE) produziert normalerweise Wasserstoff‑Sulfid (H₂S). Ergothionin wirkt als alternatives Substrat und steigert die H₂S‑Produktion.
  2. H₂S modifiziert Proteine – H₂S löst eine Persulfidierung aus, also die Anknüpfung eines Schwefelatoms an Cystein‑Reste, was die Funktion der Zielproteine verändert. Die Studie identifizierte über 300 persulfidierte Proteine.
  3. cGPDH wird aktiviert – Eines dieser Ziele ist die zytosolische Glycerin‑3‑Phosphat‑Dehydrogenase (cGPDH). Durch Persulfidierung wird dieses Enzym aktiviert. cGPDH ist Teil eines Shuttle‑Systems, das NAD⁺ aus NADH im Cytoplasma regeneriert.
  4. NAD⁺ steigt – Die Autoren sehen die Aktivierung von cGPDH als Hauptursache für den ET‑induzierten Anstieg von NAD⁺.

Der entscheidende Beweis stammt aus Knock‑out‑Experimenten: Fehlen CSE oder cGPDH, verschwinden die Effekte von Ergothionin. Damit ist der Signalweg notwendig und nicht nur zufällig.

Wie schneidet Ergothionin im Vergleich zu NMN und NR ab?

NMN und NR gelten als Vorbaufaktoren für den NAD⁺‑Kreislauf – sie liefern die Bausteine, aus denen NAD⁺ wieder aufgebaut wird.

Ergothionin wirkt dagegen über Redox‑Signaling, indem es ein Enzym aktiviert, das NAD⁺ recycelt, anstatt zusätzliche Vorläufer zuzuführen. Theoretisch könnten beide Ansätze komplementär sein, dennoch wurde in der Studie kein direkter Vergleich mit NMN oder NR angestellt. Aussagen über Überlegenheit, Unterlegenheit oder Synergie bleiben daher spekulativ.

Praktische Take‑aways für Interessierte

  • Nahrungsquellen – Pilze führen das Feld an. Besonders reich an Ergothionin sind Austernpilze, Königsausternpilze, Shiitake und Steinpilze. Kleinere Mengen finden sich in manchen Bohnen, Haferkleie und Innereien. Kochen zerstört Ergothionin kaum.
  • Supplement‑Dosen – Kommerzielle Ergothionin‑Produkte enthalten typischerweise 5 – 25 mg pro Tag. Bisherige Humanstudien lagen im gleichen Bereich.
  • Ratten‑Dosis ist deutlich höher – Laut einer Berechnung entspricht die wirksame Ratten‑Dosis etwa 200 – 260 mg pro Tag beim Menschen – also rund das Zehnfache der üblichen Supplement‑Dosen. Ob diese Menge sicher und wirksam ist, ist bislang unbekannt. Die vorliegende Arbeit beweist nicht, dass eine übliche 5‑25 mg‑Kapsel das Muskel‑NAD⁺ beim Menschen erhöht.

Der klare Hinweis: Nur Tierstudien, noch kein Humanbeweis

Sei skeptisch gegenüber Behauptungen, dass die Ergebnisse bereits für Menschen gelten:

  • Keine Human‑Daten. Es handelt sich um präklinische Studien an Würmern, Ratten und Zellmodellen.
  • Dosis‑Diskrepanz. Die für Ratten wirksame Dosis, auf den Menschen hochgerechnet, liegt weit über den üblichen Supplement‑Mengen.
  • Kurze Beobachtungszeit. Langzeit‑Effekte, Sicherheit hoher Dosen und Auswirkungen auf die Lebenserwartung von Säugetieren wurden nicht untersucht.
  • Muskel‑NAD⁺ ist kein klinischer End‑Point. Erhöhte Gewebe‑NAD⁺‑Konzentrationen und bessere Laufband‑Leistung bei Ratten sind ermutigende Signale, aber kein Beweis für gesündere Alterung beim Menschen.
  • Ein eleganter Signalweg ersetzt keine klinischen Daten. Der nachgewiesene Mechanismus rechtfertigt weitere Studien, ist jedoch kein Ersatz dafür.

Fazit

Die Studie liefert den bislang fehlenden, testbaren Mechanismus für Ergothionin: über CSE, H₂S, Persulfidierung und cGPDH wird NAD⁺ im Muskel erhöht. Das geht weit über die frühere Einstufung als bloßes Antioxidans hinaus. Mehr Pilze zu essen ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ein risikoarmes Vorgehen. Ob Ergothionin irgendwann als nachgewiesene NAD⁺‑ oder Muskel‑Anti‑Aging‑Intervention beim Menschen anerkannt wird, hängt von klinischen Studien ab – diese fehlen bislang.

Original study

Read the original research on pubmed.ncbi.nlm.nih.gov →

This article summarizes published research for general information. It is not medical advice.

HW

Written by

Helix Ward

Helix Ward writes for Biocracked: biohacking science, longevity & human performance.

Related Articles

Approach: conceptual metaphor. Palette: bold color field.

A single steel bathroom-style analog tape measure, pulled taut and wrapped around a ripe, glossy yellow-orange pear lying on its side, with the tape's tip locked at the same unmarked point, suggesting a waistline that did not shrink. The pear sits on a saturated magenta seamless backdrop, shot from a low three-quarter angle with a shallow depth of field, the stem sharp and the background softly blurred. Hard but slightly diffused studio key light from upper left casts a crisp, short shadow in deeper magenta on the surface. A tiny electric green sticky dot marks the tape's end, with no numbers or writing visible. Mood: playful, skeptical, deadpan, scientific restraint rather than hype.
longevity

Wöchentliches Rapamycin ein Jahr lang: Sicher, aber wirkt es am viszeralen Fett?

BY REX MERIDIAN ·

Die PEARL‑Studie untersuchte, ob wöchentliches Rapamycin das viszerale Fett reduzieren und die Gesundheitsspanne verbessern kann. Nach 48 Wochen zeigte sich beim primären Endpunkt – dem viszeralen Fett – keine Veränderung, während die Sicherheit im Vergleich zu Placebo gleich war. Sekundäre Analysen deuten auf mögliche Vorteile wie mehr fettfreie Masse, Schmerzreduktion bei Frauen und besseres Wohlbefinden hin, basieren jedoch auf Untergruppen‑ und Selbstberichten. Das Präparat war eigenständig hergestellt, und bislang fehlt ein Nachweis, dass Rapamycin die menschliche Lebensspanne verlängert.

A wide landscape editorial photograph of a minimalist laboratory-meets-wellness still life on a pale, warm-gray stone countertop, softly lit by diffused morning window light from the left. In the center foreground, a small amber glass supplement jar with a plain matte white label sits beside a scattering of fine white powder and a few loose white capsules on a ceramic dish. Next to it rests a clean, open notebook with faint hand-drawn line graphs, two diverging curves rising gently, one slightly higher than the other, drawn in muted sage-green and charcoal ink. A slim brass pen lies across the page.

In the soft-focus midground, a delicate glass beaker filled with clear liquid catches a thin streak of light, casting a gentle caustic shimmer across the stone. A sprig of dried eucalyptus and a small sliver of citrus peel add organic texture. Behind them, an out-of-focus wall of pale oat-colored tiles and a floating wooden shelf holds a few blurred ceramic vessels and a small potted fern.

The color palette is calm and editorial: warm creams, sage green, soft amber, muted terracotta accents, and touches of charcoal. Shallow depth of field with a crisp focus on the jar and notebook, creamy bokeh in the background. Subtle film-like grain, natural shadows, and generous negative space on the right third of the frame, suitable for headline overlay. The mood is thoughtful, measured, and trustworthy, like a contemporary science and wellness journal cover: modern, tactile, quietly optimistic, and grounded rather than hyped.
longevity

Calcium‑Alpha‑Ketoglutarat verlängert die Lebensdauer weiblicher Mäuse um bis zu 16,6 % – Was das für Menschen bedeutet (und nicht bedeutet)

BY DR. SYNAPSE ·

Eine 2020‑Studie in *Cell Metabolism* zeigte, dass eine mit 2 % Calcium‑Alpha‑Ketoglutarat (CaAKG) angereicherte Nahrung die mediane Lebenszeit von weiblichen Mäusen um bis zu 16,6 % verlängerte und deren Gebrechlichkeit verringerte. In einer zweiten Versuchszusammenstellung war der Effekt etwas geringer (10,5 %), und bei den Männchen waren die Überlebensgewinne statistisch nicht signifikant. Die Autoren führen den Nutzen auf eine reduzierte systemische Entzündung und einen Anstieg von IL‑10 zurück. Die Studie wurde ausschließlich an Mäusen durchgeführt und liefert keinen Nachweis, dass CaAKG das menschliche Leben verlängert. Im Folgenden wird erklärt, was die Daten tatsächlich zeigen, wie sie sich von typischen Marketingversprechen unterscheiden und warum CaAKG eher auf einer Forschung‑Watchlist als in einem bewiesenen Protokoll zu finden ist.

A bright, minimalist editorial still life on a pale warm-white stone surface, shot from a slightly elevated three-quarter angle in soft natural window light. At center, a small amber glass supplement bottle with a matte cream label, unbranded, sits beside a few loose white capsules. A pair of weathered hands in a light oatmeal linen sleeve, belonging to an older adult, rests gently near the bottle, with a ceramic mug of tea just out of focus. To the right, a clean glass vial and a delicate glass beaker filled with clear liquid catch the light, hinting at laboratory research without any futuristic touch. A small paper notebook with a handwritten simple line graph rising in a gentle curve lies open nearby, along with a sharpened pencil. Scattered at the edges are soft sprigs of dried eucalyptus and a few pale sage-green leaves, adding an organic note. A faint, abstract molecular diagram printed in muted teal ink on a card leans against the bottle, subtle and graphic. The palette is calm and modern: warm ivory, sage green, soft teal, muted amber, and touches of dusty peach. Long, gentle shadows fall across the surface, and the shallow depth of field blurs the background into creamy neutral tones. The composition leaves generous negative space on the left third for headline text. The overall feel is a trendy health and science journal: clean, airy, trustworthy, and quietly sophisticated, with fine film-like grain and true-to-life color. Ultra-detailed, 16:9 landscape.
supplements

1.000 mg Nicotinamid‑Ribosid täglich erhöht NAD⁺ in Blutzellen um etwa 60 % bei älteren Erwachsenen – randomisierte Studie

BY DR. SYNAPSE ·

Eine 2018 in *Nature Communications* veröffentlichte Crossover‑Studie untersuchte Nicotinamid‑Ribosid (NR) mit 500 mg zweimal täglich (insgesamt 1.000 mg/Tag) über sechs Wochen bei gesunden, mittel‑ und älteren Erwachsenen. Das Präparat wurde gut vertragen und steigerte das NAD⁺ in immunologischen Blutzellen um rund 60 % gegenüber dem Placebo. Erste Anzeichen für niedrigeren Blutdruck und geringere arterielle Steifigkeit wurden ebenfalls beobachtet – jedoch nur als Ansatzpunkte für größere Studien, nicht als bewiesene Nutzen.

A serene editorial still life shot from a slightly elevated angle on a pale travertine surface, bathed in soft morning window light with gentle long shadows. At the center sits a small matte ceramic bowl in warm oatmeal tone, holding a fine mound of white crystalline powder, with a delicate wooden scoop resting beside it. A few grains are scattered naturally across the stone. To the left, a clear glass of water catches the light, throwing a subtle caustic shimmer onto the surface. To the right, a neatly arranged trio of translucent amber glass capsules and a single sprig of dried eucalyptus add organic texture.

In the softly blurred background, a sage-green linen cloth drapes across the frame, and a vintage brass hourglass stands upright, its sand halfway through. This is a subtle nod to aging and time. A small open notebook with faint, abstract hand-drawn line graphs trending gently downward, with no legible text, rests at the edge of the composition, with a slim pencil placed across it.

The palette is calm and modern: creamy ivory, warm sand, muted sage, soft terracotta, and touches of honey amber. The mood is quiet, thoughtful, and scientific without being clinical, like a contemporary wellness and science magazine cover. Shallow depth of field keeps the powder bowl crisp, with creamy bokeh behind it. Generous negative space on the right side of the wide 16:9 frame leaves room for headline overlay. Fine film-like grain, natural color grading, and minimalist composition give it a refined, trendy journal feel.
longevity

Taurin – die preiswerte Aminosäure, die die Mäuselaufzeit um bis zu 12 % verlängerte, nimmt beim Menschen mit dem Alter ab

BY DR. SYNAPSE ·

Eine 2023 in *Science* veröffentlichte Studie zeigte, dass der zirkulierende Taurinspiegel – eine preiswerte und weit verbreitete Aminosäure – mit zunehmendem Alter bei Mäusen, Affen und Menschen abnimmt. Bei mittelalten Mäusen verlängerte die Supplementierung die mittlere Lebensdauer um etwa 10‑12 % und verbesserte zahlreiche Gesundheitsparameter. Das Molekül wirkte dabei anti‑seneszent, reduzierte DNA‑Schäden, schützte die Mitochondrien und dämpfte das sogenannte Inflammaging. Beim Menschen liegen die Daten bislang nur in Beobachtungsstudien vor, und die für Mäuse berechneten Dosen entsprechen mehreren Gramm pro Tag, sodass die Evidenz noch weit von einem Beweis entfernt ist. Der folgende Text fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Dosierungen und erklärt, warum weitere klinische Studien nötig sind, bevor Taurin als Anti‑Aging‑Pille empfohlen werden kann.

This page is available in