Biocracked
Approach: Data as art, with a conceptual twist. Palette: bold color field (D).

Subject: a single glass syringe lying on a saturated mustard-yellow acrylic surface, shot from a low three-quarter angle with a shallow depth of field. Behind it, a long arc of thin copper wire rises in a gentle curve from a small spike to a broad plateau and then slowly tapers, echoing a hormone curve stretched across days. Small, evenly spaced glass beads sit along the wire, each slightly larger toward the plateau. One bead glows soft electric green.

Lighting: hard single softbox from the upper left, creating crisp, short shadows in warm umber on the yellow. Specular highlights on the glass and copper.

Mood: precise, patient, and quietly analytical, with a slow-release rhythm. No text or markings anywhere.
Peptides

CJC‑1295‑Studie am Menschen: Was die ursprünglichen GH‑ und IGF‑I‑Daten zeigen

Helix Ward · · 4 min read

CJC‑1295‑Studie am Menschen: Was die ursprünglichen GH‑ und IGF‑I‑Daten zeigen

CJC‑1295 taucht in Bio‑Hacking‑Foren, Klinik‑Werbungen und Anti‑Doping‑Bulletins ständig auf. Viel seltener wird jedoch die Humanstudie genannt, die das gesamte Gespräch überhaupt erst ins Rollen brachte. Sie wurde 2006 im The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism veröffentlicht; Teichman und Kolleg*innen lieferten den grundlegenden Datensatz für dieses langwirksame Growth‑Hormone‑Releasing‑Hormone‑Analogon (GHRH). Das Papier lohnt sich zu lesen – sowohl wegen dessen, was es zeigt, als auch wegen dessen, was es bewusst nicht untersucht hat.

Das Problem, das CJC‑1295 lösen sollte

Natürliches GHRH signalisiert der Hypophyse, Wachstumshormon (GH) freizusetzen, das wiederum Leber und andere Gewebe anregt, den insulinähnlichen Wachstumsfaktor I (IGF‑I) zu produzieren. Das Hormon wirkt, ist aber von kurzer Dauer. Wie die Studienautoren betonen, ist die therapeutische Nutzung von GHRH wegen dieser kurzen Wirkdauer begrenzt. Ein Molekül, das innerhalb von Minuten eliminiert wird, lässt sich kaum zu einer praktikablen Behandlung entwickeln.

CJC‑1295 wurde als langwirksames GHRH‑Analogon konzipiert. Die Studie stellte drei Fragen: Wie wird das Medikament vom Körper verarbeitet (Pharmakokinetik)? Welche Wirkung hat es auf GH und IGF‑I (Pharmakodynamik)? Und ist es bei gesunden Erwachsenen sicher?

Studiendesign

Die Arbeit bestand aus zwei randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Aufwärtssubdosierungsstudien mit einer Laufzeit von 28 bzw. 49 Tagen an zwei Prüfzentren. Die Teilnehmenden waren gesunde Erwachsene im Alter von 21 bis 61 Jahren.

  • Studie 1: Einzelne subkutane Injektion von CJC‑1295 oder Placebo in einer von vier steigenden Dosierungen.
  • Studie 2: Zwei‑ bzw. drei‑malige Verabreichung von CJC‑1295 oder Placebo, wöchentlich bzw. zwei‑wöchentlich.

Primäre Endpunkte waren Spitzenkonzentrationen (Cmax) und die Fläche unter der Kurve (AUC) für GH und IGF‑I sowie Standard‑Pharmakokinetik‑Parameter des Wirkstoffs selbst.

Was die Zahlen zeigten

Die Ergebnisse einer Einzeldosis sind bemerkenswert:

  • Wachstumshormon: Die mittleren Plasmakonzentrationen von GH stiegen dosisabhängig um das 2‑ bis 10‑fache; die Erhöhung hielt mindestens sechs Tage an.
  • IGF‑I: Das mittlere Plasmapeak von IGF‑I stieg um das 1,5‑ bis 3‑fache und blieb 9‑ bis 11 Tage erhöht.
  • Halbwertszeit: Die geschätzte Halbwertszeit von CJC‑1295 betrug 5,8‑8,1 Tage – deutlich länger als bei den meisten injizierbaren Peptiden, die in Minuten bis Stunden eliminiert werden.
  • Wiederholte Dosierung: Nach mehrfacher Gabe blieben die mittleren IGF‑I‑Werte bis zu 28 Tage über dem Ausgangsniveau; die Autoren sprachen von einem kumulativen Effekt.
  • Sicherheit: Keine schweren unerwünschten Ereignisse wurden gemeldet. Das Präparat erwies sich als gut verträglich, insbesondere bei Dosen von 30 µg/kg bzw. 60 µg/kg.

Die Dosis‑Abhängigkeit ist wichtig, weil sie zeigt, dass die hormonelle Antwort mit der Menge des verabreichten Wirkstoffs korreliert – ein klarer Hinweis auf einen echten pharmakologischen Effekt und nicht bloßes Messrauschen.

DAC vs. „mod GRF 1‑29“ – Aufklärung einer häufigen Verwechslung

Ein großer Teil der Verwirrung entsteht durch zwei Produkte, die denselben Namen tragen.

  • CJC‑1295 mit DAC (Drug‑Affinity‑Complex) ist die langwirksame Variante, die in der Studie getestet wurde. Die chemische Modifikation erlaubt dem Peptid, mehrere Tage im Körper zu verbleiben, was die nahezu einwöchige Halbwertszeit erklärt.
  • CJC‑1295 ohne DAC ist tatsächlich ein anderes Peptid: ein modifizierter GRF (1‑29), also ein verkürztes GHRH‑Fragment ohne den langwirkenden Anhang. Erwartungsgemäß wirkt es nur kurz. In der hier beschriebenen Studie wurde dieses Produkt nicht untersucht, sodass Daten nicht auf mod GRF 1‑29 übertragbar sind – und umgekehrt.

Wer also die „CJC‑1295‑Studie“ zitiert, um ein kurzwirkendes Präparat zu belegen, vermischt zwei unterschiedliche Moleküle.

Was die Studie nicht beantwortet

Hier gehen in vielen Online‑Diskussionen wichtige Punkte verloren.

Die Untersuchung war ein pharmakokinetischer, pharmakodynamischer und Sicherheitsversuch an gesunden Freiwilligen. Gemessen wurden ausschließlich Hormonspiegel und das Verhalten des Wirkstoffs. Der Abstract enthält keinerlei Messungen zu:

  • Muskelmasse oder Kraft
  • Fettabbau bzw. Körperzusammensetzung
  • sportlicher oder körperlicher Leistung
  • Schlaf, Regeneration, Knochendichte oder kognitive Funktionen
  • Langzeit‑Sicherheit

GH‑ und IGF‑I‑Steigerungen sind Biomarker‑Ergebnisse. Sie bedeuten nicht automatisch einen klinischen Nutzen. Ob ein höheres IGF‑I zu signifikanten Verbesserungen bei gesunden Menschen führt, bleibt unbeantwortet. Zudem war die Laufzeit relativ kurz (28 bzw. 49 Tage), sodass kaum Aussagen über Monate oder Jahre Einnahme getroffen werden können. Ein dauerhaft erhöhtes IGF‑I wird von Forschern genau beobachtet, weil die GH/IGF‑I‑Achse eng mit Wachstum, Stoffwechsel und Alterungsbiologie verknüpft ist – Fragen, die in diesem Paper nicht adressiert werden.

Regulatorische Realität

CJC‑1295 ist nie als Medikament zugelassen worden. Die Autoren schließen, dass die Daten ein possibles therapeutisches Anwendungsfeld unterstützen, aber potenziell ist nicht gleich zugelassen. Heute existiert das Präparat ausschließlich als Forschungs‑Peptid, und Produkte, die unter diesem Namen verkauft werden, variieren stark in Qualität, Identität und Kennzeichnung. Zudem ist es im Sport verboten: Die World Anti‑Doping Agency (WADA) listet es als „Growth‑Hormone‑Releasing‑Factor“, und Athlet*innen riskieren Sanktionen.

Fazit

Die Studie von 2006 ist ein solides Phase‑I‑Projekt. Sie zeigt, dass eine einzelne subkutane Dosis eines langwirksamen GHRH‑Analogen das GH für etwa eine Woche und das IGF‑I für mehr als eine Woche ansteigen lässt, dass wiederholte Dosierung diesen Effekt verstärkt und dass die kurzzeitige Verträglichkeit bei gesunden Erwachsenen gut war. Gleichzeitig ist die Untersuchung eng gefasst: keine Körper‑­kompositions‑, Leistungs‑ oder Langzeit‑Endpunkte und keine Daten zu dem kurzwirkenden mod GRF 1‑29, das häufig unter demselben Namen verkauft wird. Wer Behauptungen zu CJC‑1295 prüft, sollte das Papier als Nachweis für hormonelle Aktivität und kurzfristige Sicherheit werten – nicht als Beweis für die von Marketing‑Botschaften suggerierten Vorteile.

Original study

Read the original research on pubmed.ncbi.nlm.nih.gov →

This article summarizes published research for general information. It is not medical advice.

HW

Written by

Helix Ward

Helix Ward writes for Biocracked: biohacking science, longevity & human performance.

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