Shatavari wirkt besser in Kombination mit Ashwagandha – Ergebnisse einer Studie mit 135 Frauen
Shatavari ist seit Jahrhunderten ein Grundpfeiler der ayurvedischen Frauengesundheit. Eine neue randomisierte Studie legt nahe, dass das Kraut noch wirksamer sein kann, wenn es nicht allein steht.
In einer acht‑wöchigen, doppelblinden, placebokontrollierten Untersuchung mit 135 Frauen verbesserte ein standardisierter Shatavari‑Wurzelextrakt die Gesamtsexualfunktion und die sexuelle Zufriedenheit im Vergleich zu Placebo. Kombinierte man Shatavari mit Ashwagandha‑Wurzelextrakt, verstärkten sich die Effekte zusätzlich: Erregung, Lubrikation, Orgasmus, Stimmung und das Glücksgefühl steigerten sich im Vergleich zu Placebo.
Die Studie, geleitet von Ademola und Kolleg*innen, wurde 2026 im International Journal of Women's Health veröffentlicht (DOI: 10.2147/IJWH.S561213; PubMed 41710148).
Was die Forschenden getestet haben
Shatavari (Asparagus racemosus) wird im Ayurveda als Rasayana eingestuft – ein verjüngender Tonus, der traditionell zur Unterstützung der weiblichen Fortpflanzung und des allgemeinen Wohlbefindens verwendet wird. Ashwagandha ist ein weiteres Rasayana, vor allem als Adaptogen gegen Stress bekannt.
Die Studie war prospektiv, randomisiert, doppelblind und dreigeteilt. Die Teilnehmenden erhielten über acht Wochen eines der folgenden Präparate:
- SHT: standardisierter Shatavari‑Wurzelextrakt
- SHT‑ARE: Shatavari + Ashwagandha‑Wurzelextrakt
- PL: Placebo
Der primäre Endpunkt war der Female Sexual Function Index (FSFI). Sekundäre Messgrößen umfassten befriedigende sexuelle Ereignisse, sexuellen Stress (FSDS), Stimmung (POMS), Glück (Oxford Happiness Questionnaire) und Schlafqualität (PSQI). Die Sicherheitsüberwachung beinhaltete Nebenwirkungen sowie Laborparameter für Leber, Schilddrüse und Niere.
Die wichtigsten Ergebnisse
Shatavari allein
Im Vergleich zu Placebo zeigte die Shatavari‑Einzelgruppe signifikante Verbesserungen bei:
- Gesamt‑FSFI‑Score (p = 0,025)
- Zufriedenheits‑Domain (p < 0,0001)
- Sexueller Stress (FSDS) (p = 0,008)
Die übrigen FSFI‑Domänen erreichten in diesem Arm keine statistische Signifikanz.
Shatavari + Ashwagandha
Die Kombinationsgruppe wies im Vergleich zu Placebo ein breiteres Verbesserungsmuster auf:
- Gesamt‑FSFI (p = 0,005)
- Erregung (p = 0,041)
- Lubrikation (p = 0,027)
- Orgasmus (p = 0,031)
- Anzahl sexueller Kontakte (p = 0,001)
- Sexueller Stress (FSDS) (p < 0,0001)
- Glück (OHQ) (p < 0,0001)
- Stimmung (POMS): geringere Anspannung, Ärger, Depression, Müdigkeit, Verwirrung sowie Verbesserungen im affektiven Selbstwertgefühl und der Gesamtstimmung (p < 0,0001)
Der Schlaf blieb weitgehend unverändert. Der einzige signifikante Unterschied im PSQI betraf die Schlafeffizienz (p = 0,045) für die Kombinationsgruppe.
Die Autor*innen schließen, dass Shatavari sicher, wirksam und gut verträglich ist und dass es eine additive Wirkung mit Ashwagandha zeigt.
Warum die Kombination Sinn machen könnte
Sexuelle Funktion bei Frauen ist nicht nur mechanisch. Stress, schlechte Stimmung, Müdigkeit und emotionale Belastungen beeinflussen Verlangen und Erregung. Der Kombinationsarm verbesserte gleichzeitig physische und psychologische Bereiche. Das passt zu der Idee, ein Frauentonikum mit einem stressfokussierten Adaptogen zu kombinieren – obwohl die Studie nicht darauf ausgelegt war, den genauen Wirkmechanismus zu belegen.
Für wen das relevant sein könnte
Aus dem Abstract lässt sich schließen, dass die Evidenz für erwachsene Frauen gilt, die an sexuellem Wohlbefinden und allgemeiner Gesundheit interessiert sind, insbesondere für jene, die sexuellen Stress oder geringe Zufriedenheit erleben. Der Abstract nennt weder den menopausalen Status noch spezifische klinische Diagnosen der Teilnehmenden. Ob die Ergebnisse auf Frauen mit bestimmten Bedingungen, etwa menopausenbedingten Symptomen oder diagnostizierter sexueller Dysfunktion, übertragbar sind, bleibt unklar.
Praktische Details wie Dosierung, Einnahmezeitpunkt oder Darreichungsform werden im Abstract nicht genannt. Wer ein Produkt in Erwägung zieht, sollte den Volltext nach genauen Mengenangaben durchsuchen. Achte auf einen standardisierten Wurzelextrakt und nicht auf ein generisches Pulver, da die Studie standardisierte Extrakte getestet hat. Betrachte acht Wochen als evidenzbasierte Studiendauer; es liegen keine Daten über längerfristige Effekte vor.
Sicherheit: beruhigend, aber im Kontext
Alle gemeldeten Nebenwirkungen waren mild und klangen ohne Intervention ab. Die Forschenden überwachten zusätzlich Leber-, Schilddrüsen‑ und Nierenwerte – ein sinnvoller Schritt angesichts allgemeiner Sicherheitsfragen zu Kräuterprodukten.
Dennoch war dies eine kurze Studie mit 135 Frauen. Sie kann seltene oder langfristige Effekte nicht ausschließen. Insbesondere Ashwagandha wird außerhalb dieser Studie mit möglichen Schilddrüsenwirkungen und seltenen Leberverletzungen in Verbindung gebracht; das beruhigende Abstract der Studie löscht diese Bedenken nicht. Frauen, die schwanger sind, stillen, Schilddrüsen‑ oder hormonabhängige Medikamente einnehmen oder leber‑ bzw. hormonsensible Erkrankungen haben, sollten vorher eine Fachkraft konsultieren. Diese Gruppen wurden im Abstract nicht adressiert.
Die wichtigsten Einschränkungen
1. Keine Ashwagandha‑Einzelgruppe. Das Design umfasste Shatavari, Shatavari + Ashwagandha und Placebo. Ohne einen reinen Ashwagandha‑Arm bleibt die „additive Wirkung“ eine Schlussfolgerung. Die breiteren Ergebnisse der Kombination könnten Ashwagandhas eigenen Beitrag widerspiegeln, nicht echte Synergie.
2. Unterschiedliche Signifikanzmuster bedeuten keinen direkten Gewinn. Die Kombination erreichte in mehr Bereichen Signifikanz gegenüber Placebo, aber der Abstract liefert keinen direkten statistischen Vergleich der beiden aktiven Arme. „Mehr Kästchen abgehakt“ ist nicht dasselbe wie „nachweislich überlegen“.
3. Viele Outcomes, kleine Gruppen. Die Studie untersuchte zahlreiche sekundäre Messgrößen bei rund 135 Teilnehmenden. Bei so vielen Vergleichen können einige Befunde zufällig sein; die sekundären Ergebnisse sollten eher als vielversprechende Anzeichen gesehen werden.
4. Subjektive, selbstberichtete Ergebnisse. Fragebögen wie FSFI und POMS sind etabliert, jedoch anfällig für Erwartungseffekte, selbst bei verblindeten Designs.
5. Typische Merkmale von Industrie‑Studien. Standardisierte proprietäre Extrakte und ein Multi‑Endpoint‑Design mit Marken‑Ingredienten sind typisch für Supplement‑Firmen‑Forschung. Der Abstract nennt nicht, wer die Studie finanziert hat. Prüfe die Finanzierungs‑ und Interessenkonflikt‑Offenlegung im Volltext und warte auf unabhängige Replikationen, bevor du die Ergebnisse als abschließend betrachtest.
6. Kurze Dauer. Acht Wochen geben keinerlei Aufschluss über langfristigen Nutzen oder Sicherheit.
Fazit
Dies ist eine gut strukturierte, placebokontrollierte Studie mit ermutigenden Ergebnissen. Shatavari allein verbesserte die Gesamtsexualfunktion, Zufriedenheit und Stress, und die Kombination mit Ashwagandha war mit breiteren Verbesserungen bei Erregung, Lubrikation, Orgasmus, Stimmung und Glück verbunden. Doch die Studie benötigt Replikation, einen reinen Ashwagandha‑Arm und transparente Förderdetails, bevor das „Stack‑Konzept“ als bewiesen gilt. Für den Moment ist es ein glaubwürdiges Frühsignal, jedoch kein Rezept.
Quelle: Ademola et al., Int J Womens Health, 2026. https://doi.org/10.2147/IJWH.S561213. Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar.