Die zentrale Erkenntnis
Ein mitochondrienbezogener Nährstoff mit einem schwer auszusprechenden Namen hat ein überraschendes Ergebnis hervorgebracht. In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie wurde 20 mg pro Tag des Pyrrolochinolin‑Quinons (PQQ) Disodium‑Salzes mit verbesserten Gedächtniswerten nach 12 Wochen in Verbindung gebracht. Bereits bei jüngeren Erwachsenen zeigte dieselbe Dosis früher Effekte bei Aufgaben zur Geschwindigkeit und kognitiven Flexibilität.
Die Studie erschien 2023 in Food & Function. Die Überraschung liegt nicht nur darin, dass PQQ offenbar wirkt, sondern auch darin, dass die Vorteile nach Altersgruppen unterschieden wurden und zu unterschiedlichen Zeitpunkten auftraten.
Wie die Studie durchgeführt wurde
- Design: doppelblinde, placebokontrollierte Studie
- Teilnehmer: gesunde Erwachsene im Alter von 20 bis 65 Jahren
- Intervention: PQQ‑Disodium‑Salz, 20 mg pro Tag
- Dauer: 12 Wochen, kognitive Tests nach 8 und 12 Wochen
- Analyse: Gesamtergebnis, anschließend nach Altersgruppen aufgeschlüsselt (20‑40 Jahre vs. 41‑65 Jahre)
Das Abstract nennt die Stichprobengröße nicht – prüfen Sie das vollständige Paper, bevor Sie die Aussagekraft der Zahlen bewerten.
Was sich verbesserte und wann
Gesamte Gruppe – Gedächtnis nach 12 Wochen
Bei allen Teilnehmenden war PQQ mit Verbesserungen im kombinierten Gedächtnis sowie im verbalen Gedächtnis nach 12 Wochen verbunden.
Jüngere Erwachsene (20‑40 Jahre) – bereits nach 8 Wochen
In der jüngeren Gruppe verbesserte PQQ:
- Kognitive Flexibilität – die Fähigkeit, zwischen Aufgaben oder Regeln zu wechseln
- Verarbeitungsgeschwindigkeit
- Ausführungsgeschwindigkeit
Diese Veränderungen traten bereits nach 8 Wochen auf, also früher als in der älteren Gruppe.
Ältere Erwachsene (41‑65 Jahre) – Gedächtnis nach 12 Wochen
Die ältere Gruppe zeigte nach 12 Wochen Verbesserungen im komplexen Gedächtnis und im verbalen Gedächtnis. Das Abstract berichtet, dass nur die ältere Untergruppe diese Gains in der altersaufgeschlüsselten Analyse erreichte.
Das Gesamtbild
Die Autoren führten zudem eine logistische Regression über sämtliche kognitiven Tests hinweg durch. Diese ergab signifikante Veränderungen durch PQQ nach 8 Wochen bei den Jüngeren und nach 12 Wochen bei den Älteren. Kurz gesagt: Jüngere Gehirne reagieren schneller und zeigen Effekte bei Geschwindigkeits‑Messungen, ältere Gehirne später und vor allem bei Gedächtnis‑Messungen.
Warum PQQ im Gespräch ist
PQQ ist eine redox‑aktive Verbindung, die in geringen Mengen in Lebensmitteln vorkommt und häufig im Zusammenhang mit mitochondrialer Funktion diskutiert wird. Dieser mitochondriale Aspekt ist der übliche Grund, warum PQQ als kognitives Nahrungsergänzungsmittel beworben wird. Das Abstract misst jedoch keine mitochondrialen Parameter, sodass die Studie lediglich einen kognitiven Effekt liefert, nicht aber einen nachgewiesenen Wirkmechanismus.
Das Abstract verweist zudem auf frühere Arbeiten, die berichteten, PQQ verbessere die Gehirnfunktion und Kognition bei Erwachsenen über 45 Jahre. Die aktuelle Studie erweitert die Altersbandbreite auf 20 Jahre und liefert zusätzlich die zeitlichen Unterschiede zwischen den Altersgruppen.
Der Hinweis, den Sie nicht übersehen sollten
Die Autoren sind bei Mitsubishi Gas Chemical Company beschäftigt, dem Hersteller des PQQ‑Disodium‑Salzes (BioPQQ). Zwei weitere Autoren stammen von RIKEN. Industriegesponserte Supplement‑Studien sind nicht per se fehlerhaft – viele sind gut durchgeführt – doch Vorsicht ist geboten, und unabhängige Replikationen sind hier besonders wichtig.
Weitere Einschränkungen, die Sie im Hinterkopf behalten sollten:
- Das Abstract liefert weder die Stichprobengröße noch die Effektgrößen.
- Untergruppen‑Ergebnisse, wie die Aufsplittung nach Alter, sind anfälliger als primäre Endpunkte.
- Zwölf Wochen sagen nichts über langfristige Vorteile oder Sicherheit aus.
- Die Teilnehmenden waren gesunde Erwachsene von 20 bis 65 Jahren; die Ergebnisse lassen sich nicht auf Menschen mit Demenz oder ausgeprägten kognitiven Beeinträchtigungen übertragen.
Was das für Sie bedeutet
Dosierung: Die Studie verwendete 20 mg pro Tag des PQQ‑Disodium‑Salzes. Prüfen Sie beim Kauf, ob das Etikett dieselbe Form und Menge angibt – Produkte variieren stark.
Zeitplan und Geduld: Erwartet man keine sofortige Veränderung. In der Studie traten Effekte bei 8 Wochen bei jüngeren Erwachsenen und bei 12 Wochen bei älteren Erwachsenen auf. Das Abstract nennt weder die Tageszeit noch ob die Einnahme mit Nahrung erfolgen sollte – die einzige evidenzbasierte Regel ist die konsequente tägliche Einnahme.
Wer könnte profitieren:
- Gesunde Erwachsene von etwa 20 bis 65 Jahren, die an einem forschungsbasierten kognitiven Supplement interessiert sind
- Jüngere Erwachsene, die Geschwindigkeit und Flexibilität ihres Denkens verbessern möchten
- Menschen mittleren und höheren Alters, die ihr verbales und komplexes Gedächtnis stärken wollen
Wer vorsichtig sein oder darauf verzichten sollte:
- Schwangere, stillende Frauen oder Personen mit bestehenden Erkrankungen – hier sollte vorher ein Arzt konsultiert werden. Das Abstract adressiert diese Gruppen nicht.
- Personen, die verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen, sollten mögliche Wechselwirkungen prüfen.
- Menschen mit Gedächtnisproblemen, die auf eine medizinische Ursache hindeuten könnten – ein Supplement ersetzt keine ärztliche Abklärung.
- Alle, die eine dramatische, sofortige Wirkung erwarten. Es handelte sich um messbare Verbesserungen in kognitiven Tests, nicht um eine Transformation.
Fazit
Diese randomisierte, doppelblinde Studie liefert ermutigende Hinweise darauf, dass 20 mg / Tag des PQQ‑Disodium‑Salzes die kognitive Leistung gesunder Erwachsener moderat verbessern kann – bei jüngeren Personen vor allem Geschwindigkeit und Flexibilität, bei älteren Personen Gedächtnis. Da die Forschung von einem Unternehmen stammt, das den Wirkstoff herstellt, und das Abstract zentrale Zahlen weglässt, sollte man das Ergebnis eher als vielversprechendes Signal denn als abschließendes Urteil ansehen. Unabhängige Replikationen mit größeren Stichproben werden zeigen, ob PQQ einen festen Platz im Werkzeugkasten für kognitive Gesundheit bekommt.