Biocracked
Approach: Macro science. Palette: D, bold color field.

Extreme macro photograph of a cluster of translucent white magnesium L-threonate crystals, shot from a low three-quarter angle with a shallow depth of field. The crystals sit on a saturated magenta backdrop that fills the whole frame. Their faceted edges catch crisp, directional studio light from the upper left, with bright refracted highlights and soft pink-tinted shadows. Fine powder grains are scattered around the base. One crystal in sharp focus in the foreground has a thin, natural green glint along an edge, close to #00e676. The rest of the cluster falls into soft blur behind it. The mood is vivid, precise and slightly skeptical, like a specimen under evaluation. No text, no labels and no containers. Photorealistic, microscopy-like texture, with a clean and punchy graphic composition.
Supplements

Gehirnpenetrierendes Magnesium: 47 % der erwachsenen ADHS‑Patienten zeigten eine klinische Reaktion

Helix Ward · · 4 min read

Fast die Hälfte der erwachsenen Teilnehmenden in einem kleinen Pilot‑Projekt des Massachusetts General Hospital erfüllte nach bis zu 12 Wochen Einnahme einer ungewöhnlichen Magnesium‑Form die Studien‑Definition für eine ADHS‑Behandlungsantwort. Das klingt nach einer auffälligen Überschriften‑Zahl – bevor Sie sich eine Flasche bestellen, sollten Sie wissen, was die Studie tatsächlich aussagen kann und was nicht.

Das Präparat ist Magnesium‑L‑Threonat, das unter dem Markennamen Magtein vertrieben wird. In der Fachpublikation wird es als L‑threonic acid magnesium salt (LT‑AMS) bezeichnet.

Warum Threonat anders ist als andere Magnesium‑Formen

Die meisten Magnesium‑Ergänzungen – zum Beispiel Citrate, Glycinat oder Oxide – werden primär danach bewertet, wie stark sie den Gesamtkörper‑Magnesiumspiegel erhöhen. Magnesium‑L‑Threonat erlangt Aufmerksamkeit aus einem anderen Grund. Präklinische Arbeiten, insbesondere eine 2010‑Studie in Neuron von Slutsky et al., zeigten, dass es die Magnesiumkonzentration im Gehirn von Nagetieren ansteigen ließ und mit höherer Synapsendichte sowie verbessertem Lernen und Gedächtnis verbunden war.

Die Studienautoren führen diese Präklinik als Begründung an: LT‑AMS wird mit neurobiologischen und neurofunktionellen Effekten assoziiert, die plausibel ADHS positiv beeinflussen könnten. Das Etikett „brain‑penetrating“ stammt also aus der Tierforschung. Ob der Wirkstoff beim Menschen das Hirn‑Magnesium oder die Hirnfunktion tatsächlich merklich verändert, muss erst in einer kontrollierten Humanstudie nachgewiesen werden.

Es lohnt sich zudem, Marketing von tatsächlichem Wirkmechanismus zu trennen. Magnesium ist an der neuronalen Signalübertragung beteiligt – eine plausible biologische Geschichte ist jedoch kein Beweis für klinischen Nutzen.

Der MGH‑Pilot: Was wurde wirklich gemacht?

Die Studie, veröffentlicht im Journal of Dietary Supplements (2021; 18(2):119‑131), stammt von Forschern der Clinical and Research Programs in Pediatric Psychopharmacology und Adult ADHD am Massachusetts General Hospital. Erstautor Craig Surman und Seniorautor Joseph Biederman sind bekannte Namen in der ADHS‑Forschung bei Erwachsenen.

Das Design war simpel:

  • 15 Erwachsene mit ADHS mittlerer Schwere
  • Bis zu 12 Wochen LT‑AMS, verabreicht in zwei Formulierungen (MMFS302 und MMFS202)
  • Open‑label – alle wussten, dass sie den Wirkstoff einnahmen
  • Genehmigt von einer Ethikkommission und registriert bei ClinicalTrials.gov (NCT02558790)

Die Ergebnisse: Die Zahl hinter dem Hype

Die Überschriften‑Zahl: 47 % der Teilnehmenden erfüllten die Response‑Kriterien. Als Responder gezählt zu werden, erforderte beides:

  1. Einen Clinical Global Impression‑Improvement (CGI‑I)‑Score von 2 oder niedriger ("deutlich" bzw. "sehr deutlich" verbessert)
  2. Mindestens 25 % Reduktion des Gesamtscores auf der Adult ADHD Investigator Symptom Rating Scale (AISRS)

Neben der Responder‑Rate zeigte die Gruppe signifikante Verbesserungen bei:

  • Der AISRS, deren Mittelwert von etwa 25 auf etwa 19 sank – ein Rückgang von rund 6 Punkten
  • Dem CGI‑I
  • Der Shifting‑Subskala des BRIEF, einem Test zur exekutiven Funktion, der kognitive Flexibilität misst

Die Autoren berichteten außerdem über günstige, signifikante Änderungen in IQ‑ und WASI‑II‑Leistungen. Das Präparat wurde als gut verträglich beschrieben. Ihr Fazit: Fast die Hälfte der Teilnehmenden erreichte die von ihnen definierte klinische Antwort.

Die großen Vorbehalte (Lesen Sie das, bevor Sie sich begeistern)

Open‑Label‑Studie ohne Placebo‑Gruppe. Jeder wusste, was er einnahm, und es gab keinen Vergleich mit einem Dummy‑Pillen‑Arm.

Nur 15 Personen. Bei einer so kleinen Stichprobe verschiebt eine einzelne Person die Responder‑Rate um etwa 7 Prozentpunkte. Die 47‑%‑Zahl beruht also auf rund sieben Menschen.

Placebo‑Effekte sind bei ADHS groß. Erwartungshaltungen, zusätzliche Aufmerksamkeit durch Ärzt*innen und regelmäßige Kontrollen können subjektive Ratings stark verbessern. Ohne Kontrollarm lässt sich der reine Wirkstoff‑Effekt nicht von diesen Einflüssen trennen.

Finanzierung durch Neurocentria. Das Unternehmen, das von den Entdeckern von Magnesium‑Threonat gegründet wurde und die Marke Magtein vertreibt, hat die Forschung finanziert. Industrie‑Finanzierung macht Ergebnisse nicht per se falsch, liefert aber einen Kontext, den man berücksichtigen sollte – und unterstreicht, warum unabhängige Replikationen wichtig sind.

Verbesserungen bei IQ‑ähnlichen Scores verdienen ebenfalls Vorsicht. Ohne Kontrollgruppe können Übungseffekte durch wiederholtes Testen nicht ausgeschlossen werden.

Die Autoren selbst schreiben, die Befunde "unterstützen die Notwendigkeit, dieses Präparat in größeren Stichproben unter doppelblinder Bedingung weiter zu evaluieren." Das ist die ehrliche Lesart: ein Signal, das weiter geprüft werden muss, kein Beweis, dass es wirkt.

Praktische Erkenntnisse

Dosierung. Der Abstract der Studie nennt keine konkrete Konsumentendosis; die folgenden Angaben beruhen auf dem üblichen Verkauf von Magtein, nicht auf der Studie. Häufig empfohlene Portionen liegen bei etwa 1,5‑2 g Magnesium‑L‑Threonat pro Tag, was circa 144 mg elementares Magnesium liefert. Elementares Magnesium macht nur einen kleinen Teil des Gesamtgewichts aus, weil der Threonat‑Anteil den Großteil der Verbindung ausmacht. Prüfen Sie das Produktetikett, da Formulierungen variieren und die Studie spezifische MMFS‑Formeln verwendete, die möglicherweise nicht exakt mit dem im Handel erhältlichen Produkt übereinstimmen.

Timing. Viele Magtein‑Produkte teilen die Tagesdosis, wobei die letzte Portion am Abend eingenommen wird. Das ist eine gängige Praxis, weil Magnesium häufig mit Entspannung assoziiert wird. Die Pilot‑Studie untersuchte das Timing nicht, daher ist das eher eine praktische Vorliebe als eine evidenzbasierte Regel.

Wer könnte es in Erwägung ziehen. Erwachsene, die an einem risikoarmen Nootropikum interessiert sind und keine Nierenprobleme haben, können dies mit einerm Ärztin besprechen. Magnesium wird über die Nieren ausgeschieden; Personen mit Nierenerkrankungen oder solche, die Medikamente einnehmen, die mit Magnesium interagieren, sollten besonders vorsichtig sein und vorher medizinischen Rat einholen.

Was nicht zu tun ist. Ersetzen Sie verschriebene ADHS‑Medikamente nicht durch Magnesium‑L‑Threonat und ändern Sie keine Medikation, ohne Ihren Arzt zu konsultieren. Stimulanzien und andere zugelassene Therapien basieren auf jahrzehntelangen, kontrollierten Studien. Dieses Präparat hat nur einen kleinen, unkontrollierten Pilot hinter sich.

Fazit

Der MGH‑Pilot ist ein interessantes erstes Signal, das auf einer plausiblen präklinischen Begründung beruht und einer gründlichen Prüfung bedarf. Er ist kein Beweis dafür, dass Magtein ADHS behandelt. Bis eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie vorliegt, lautet die akkurateste Zusammenfassung: vielversprechend, preliminär und unbewiesen.

Original study

Read the original research on pubmed.ncbi.nlm.nih.gov →

This article summarizes published research for general information. It is not medical advice.

HW

Written by

Helix Ward

Helix Ward writes for Biocracked: biohacking science, longevity & human performance.

Related Articles

Approach: conceptual metaphor. Palette: D, bold color field.

A single brass dial-style dosing syringe-free metaphor: a tall glass measuring cylinder, photographed straight on at eye level, filled with clear liquid and a column of stacked white tablets that rises in even steps and then stops short of a thin painted line, as if a staircase of doses has been held back. The glass cylinder stands on a glossy surface against a saturated tomato-red seamless backdrop. Soft large-softbox light from the left gives crisp highlights on the glass and a clean, short shadow on the right. A tiny electric green (#00e676) rubber band circles the cylinder near the top limit. Shallow depth of field blurs a second, taller cylinder in the background. Mood: controlled, restrained, quietly hopeful. No text, no markings legible.
supplements

Magtein reduziert den Anstieg der Opioiddosis bei Krebspatienten – Was die Studie zeigt

BY NOVA CHEN ·

Ein Magnesiumpräparat, das vor allem als Gedächtnis‑ und Schlafverstärker vermarktet wird, tauchte in einer Krebs‑Schmerzstudie auf. Bei 83 Patient*innen mit fortgeschrittenem Krebs, die orale Opioide einnahmen, stiegen die Morphindosen in der Magnesium‑L‑Threonat‑Gruppe (L‑TAMS, derselbe Wirkstoff, der als Magtein verkauft wird) über 90 Tage nur etwa halb so stark an wie in der Placebo‑Gruppe. Das Supplement wirkte zudem gegen opioidinduzierte Verstopfung. Da es sich um eine kleine, ein‑Zentrum‑Studie einer sehr spezifischen Patientengruppe handelt, ist das kein Anlass, eigenständig Medikamente zu ändern.

Approach: The human outcome. Palette: C, Natural.

A close, low-angle shot of a sleeping person's bare forearm and hand resting on a rumpled white cotton duvet, a matte black smart ring on the index finger, with a small electric green LED glint on the ring's inner edge. Early morning daylight comes through a sheer curtain at the left and casts soft golden-green light across the skin, showing fine arm hair and natural skin texture. In the background, out of focus, are a wooden nightstand with a glass of water and the blurred green leaves of a houseplant by the window. The face is not shown. Shot at a 35mm equivalent with shallow depth of field, focused on the ring and knuckles. The mood is calm, restorative and quietly observational, as if the night's data were about to be checked.
supplements

Magnesium L‑Threonat verbessert Oura‑Tief‑ und REM‑Schlafwerte in drei Wochen

BY NOVA CHEN ·

Eine randomisierte Studie aus dem Jahr 2024 untersuchte das gehirn‑gezielte Magnesium‑Derivat Magnesium‑L‑Threonat (Magtein) bei 80 erwachsenen Personen mit Schlafbeschwerden. Nach 21 Tagen (1 g/Tag) erzielte die MgT‑Gruppe bessere Oura‑Tief‑‑ und REM‑Schlafwerte als das Placebo, zudem verbesserten sich Stimmung, Energie und Wachsamkeit. Die Studie wies jedoch Einschränkungen auf: Die Schlafphasen wurden mit einem Consumer‑Wearable erfasst, ein Vergleich mit Magnesium‑Glycinat oder -Citrat fehlt, und die Placebo‑Gruppe zeigte gleichzeitig eine Verschlechterung. Der Beitrag erklärt, welche Aussagen die Studie tatsächlich zulässt, wie viel elementares Magnesium in einem Gramm Magnesium‑L‑Threonat steckt und welche Vorbehalte zu berücksichtigen sind.

Approach 4, conceptual metaphor, in palette C, natural.

A single ceramic cup of freshly brewed green tea sits on a weathered wooden windowsill, photographed from a low three-quarter angle at eye level. Steam curls upward and catches soft, directional morning daylight from a window on the left. The tea is clear amber-green, with a few loose unfurled tea leaves resting on the saucer. Behind the cup, a softly out-of-focus garden of leafy green plants and a bright, hazy sky gives shallow depth of field. The wood has realistic grain and small chips, and the ceramic has a matte, slightly speckled glaze. A single tea leaf in the foreground has a faint electric green tint where light passes through it. The mood is calm, quiet and unhurried, with warm skin-tone wood against cool plant greens. No text, no labels.
supplements

L-Theanin beruhigt ohne Sedierung: Welche Dosierungen wirklich wirken

BY NOVA CHEN ·

L-Theanin, die Aminosäure im Tee, soll beruhigen, ohne dabei schläfrig zu machen. Eine aktuelle Mini‑Review in *Frontiers in Nutrition* prüft diese Behauptung anhand von Humanstudien. Sie nennt Dosierungen von 100–400 mg für leichte kognitive Verbesserungen (besonders in Kombination mit Koffein), 200–400 mg/Tag für Stressreduktion ohne Sedierung und 200–450 mg/Tag für eine bessere Schlafqualität. Die Effekte sind klein, die Gesamtstichprobengröße wird nicht angegeben. Beide Autoren sind bei einer Tochtergesellschaft von British American Tobacco beschäftigt, die L‑Theanin‑Produkte vertreibt.

Macro science approach: an extreme close-up of PQQ disodium salt, a deep reddish-orange crystalline powder, heaped on the tip of a stainless steel micro-spatula. The camera is low, at a slight 30-degree angle, with a very shallow depth of field. The nearest crystals are razor sharp, showing faceted, glassy edges and fine granular dust, while the rest of the pile melts into soft blur. A single large softbox from the upper left creates bright specular glints on the crystal faces and a crisp, warm shadow. The backdrop is a smooth, saturated teal-green color field that contrasts strongly with the red-orange subject. A few stray grains rest on the matte teal surface below. A faint electric green reflection runs along the spatula's edge. The mood is precise, curious and scrutinizing, like an ingredient under inspection. No text or labels.
supplements

PQQ verbessert das Gedächtnis in 12 Wochen bei jungen und älteren Erwachsenen

BY NOVA CHEN ·

Eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie zeigte, dass 20 mg / Tag des PQQ‑Disodium‑Salzes die Gedächtniswerte von Erwachsenen im Alter von 20–65 Jahren nach 12 Wochen verbesserten. Der Zeitpunkt der Effekte hing vom Alter ab: Jüngere Probanden erzielten bereits nach 8 Wochen Fortschritte bei kognitiver Flexibilität und Geschwindigkeit, während Personen im Alter von 41–65 Jahren erst nach 12 Wochen bessere verbale und komplexe Gedächtnisleistungen zeigten. Ein Wermutstropfen ist, dass die Autoren für Mitsubishi Gas Chemical arbeiten, den Hersteller des PQQ‑Zutaten. Außerdem lässt das Abstract die Stichprobengröße offen. Hier erfahren Sie, was die Studie tatsächlich gezeigt hat, was nicht und wie Sie das Ergebnis interpretieren sollten, bevor Sie eine Flasche kaufen.

This page is available in